Raimund Fleiter | Musiker & Komponist

RAIMUND FLEITER

Raimund Fleiter

Raimund Fleiter

Geboren im August 1953 in Dortmund und wohnhaft ebenda. Über viele Jahre Tätigkeit als Klavierlehrer, seit Ende der 90er auch als Musikdozent an Fachseminaren für Altenpflege. Pianist und Organist. Seit den 70er Jahren Mitglied verschiedener Pop-, Jazz- und Fusionbands als Pianist und Komponist (Ein Jahr Garantie; Gruppe OH; schwarz/rot Atemgold 09). Musikalischer Leiter und Komponist für Ensembles (Bazar Bizarre; Bazzanella Bongert Fleiter). Engagements und projektorientierte Arbeiten im Bereich Theatermusik (Landestheater Dinslaken; Dortmunder Kinder-und Jugendtheater). Auftragsarbeiten für Hörspiele im WDR. Darüberhinaus Vertonung von Lyrik und anderen literarischen Kleinformen. Seit Ende der 80er Jahre Fokussierung auf die Kompositionsarbeit.

»Der Junge lernt was anständiges!« Dieser Vorsatz von Eltern, die für ihren Sohn eine erfolgreiche Berufskarriere wünschen, wird ja nahezu in jeder Familie gefasst. Irritierend ist in meinem Fall, dass er formuliert wird von Berufsmusikern. Der Vater Organist, Chorleiter und Musiklehrer, die Mutter Sängerin wünschen sich für mich etwas »anständiges« und meinen damit alles, nur keine Musik. So ist denn auch der erste Instrumentalunterricht im Akkordeonspiel – später am Klavier – nicht gerade geprägt von einer zielgerichteten Ausbildung.

Während der Adoleszenz höre ich gänzlich auf, mich mit Musik zu beschäftigen. Meine eigentlichen musikalischen Lehrjahre beginnen erst ab dem Alter von 19/20 Jahren. Abgesehen von ein paar Klavierstunden und einigen Seminaren in Musikdidaktik während meines Pädagogikstudiums, verläuft meine musikalische Bildung dabei eher unakademisch.

Ich beginne früh, mir mein Geld als Organist und Pianist zwischen Kirchenmusik und Tanzmucke zu verdienen. Parallel dazu gründe ich mit dem Klarinettisten/​Saxo­pho­nisten Holger Vogt ein Free-Jazz-Duo, das unter dem programmatischen Titel Abstell-Kammer-Musik meine ersten Kompositionen aufführt und für mehr als zehn Jahre mein wichtigstes Labor als angehender Komponist wird. Die – bezogen auf Musikstile – völlige Offenheit, die Holger und ich bei unseren Improvisationen zugelassen haben, wird zu einem Merkmal meiner Kompositionen.

Mit der Gründung des Ensembles Bazar Bizarre 1990 beginne ich, diese undogmatische Haltung auch auf die Besetzung zu übertragen. Die Vermischung von Streichern, Blech, Saxophonen, Schlagwerk und Klavier – zeitweise mit Akkordeon – signalisiert sowohl die Absicht, Stile übergreifend zu musizieren, als auch immer wieder neue Duos, Trios, Quartette etc. bei den Konzerten entstehen zu lassen.

Mit Bazar Bizarre bewege ich mich in dem sehr weit gefassten Rahmen einer emanzipierten europäischen Jazzmusik, die sich mit den Merkmalen einer »folklore imaginaire« und dem »instant composing« etabliert hat. Bazar Bizarre wird 1993 mit diesem Konzept Preisträger des Wettbewerbs Musik Kreativ in Frankfurt/Main.

Das Ensemble erweist sich auch für neue künstlerische Herausforderungen als ideale working-group. Richard Ortmann (Saxophonist bei Bazar Bizarre und Geräuschekomponist) und ich verbinden in der Folge die Klänge der Musiker mit Tonbandschleifen, die aus Industrie- und Alltagsgeräuschen zusammengesetzt sind. Mit der Produktion der CD Bazar Bizarre wird diese Verbindung von »musique concrète« mit konventionell gespielten Stücken einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Höhepunkt der Auseinandersetzung mit Geräuschemusik ist eine Aufnahme des WDR Köln (Studio Akustische Kunst) von 1995, in der eine Komposition zu hören ist, die ausschließlich aus Geräuschen besteht: Einmal Herne und zurück wird innerhalb des 3. Wettbewerbs zur Geschichte im Ruhrgebiet ausgezeichnet.

Die folgenden Jahre sind geprägt von einer intensiven Beschäftigung mit musikalischen Formen ohne die Verwendung elektronischer Hifsmittel. Mit meinen Kompositionen für das Klaviertrio Bazzanella Bongert Fleiter bediene ich mich aus dem reichhaltigen Fundus von scheinbar antiquierten Formen wie »Suite« oder »Rondo«, lasse aber auch den populären Formen Tango oder Bossa Nova Platz, um zu einer facettenreichen jazzigen Kammermusik zu gelangen.

Mein nächstes Werk wird von einem international besetzten Streichtrio in Portugal uraufgeführt: Die Suite Laconique ist meine vorerst letzte Komposition, die zu Gehör gebracht wird. In der Folgezeit schreibe ich eine Fülle sehr unterschiedlicher Stücke, die mich heute in die Lage versetzen, auf ein umfangreiches neues Repertoire zurückgreifen zu können.